IMMENSTADT. Erstmals in der Geschichte des Para Schwimmens fanden die Deutschen Kurzbahnmeisterschaften 2025 in Nürnberg, und damit in Bayern statt. Startberechtigt waren hier Schwimmer mit einer
nationalen Klassifizierung. Zusätzlich standen abgezählte Startplätze für Schwimmer ohne Einschränkung bereit, die nach Meldezeiten (und damit Leistung) vergeben wurden.
Diese Chance nutzte die Schwimmabteilung des TV 1860 Immenstadt, um ihre inklusive Wettkampfmannschaft gemeinsam zu der hochkarätig besetzten Meisterschaft zu schicken. Etliche Teilnehmer der
letzten Paralympischen Spiele waren am Start - 33 Deutsche Rekorde, 4 Europarekorde sowie 2 Weltrekorde wurden im Verlauf des Wochenendes aufgestellt.
Aus dem Kreis der TVI - Para Schwimmer waren Moana Schöll, Lavinia Schroth und Jonas Schneider im Team. Gemeinsam mit weiteren 22 Aktiven des Bayerischen Kaders der Para Schwimmer wurden sie
unter anderem von TVI-Trainerin Christine Zähringer betreut, die bereits in den letzten Monaten in die Organisation der Meisterschaft involviert war.
Die 13jährige Moana schwamm, nach mehreren Trainingslehrgängen in den letzten Wochen, von Bestzeit zu Bestzeit. Über 200m Lagen (3:16,31) konnte sie erstmals 400 Punkte übertreffen. Über 200m
Schmetterling siegte sie in der Jugendwertung (U18). In der Jugend B erschwamm sie sich zwei Silber- und zwei Bronzemedaillen und über 50m Rücken und 100m Lagen erkämpfte sie sich einen Platz im
Jugendfinale. Besonders stolz ist Moana über die erneute Nominierung in den Nachwuchskader 2 des Deutschen Behindertensportverbandes.
Lavinia Schroth und Jonas Schneider, die beide noch mit Trainingsrückstand und gesundheitlichen Einschränkungen nach OPs zu kämpfen haben, wuchsen trotz dieser Schwierigkeiten über sich hinaus.
Lavinia schwamm bei allen 5 Einsätzen in die Finalläufe und konnte über 50m Freistil sogar ihre persönliche Bestzeit verbessern. Sie wurde dreifache Deutsche Meisterin in der Jugend A.
Jonas sprintete sich ebenfalls bei jedem Start ins Finale. Hier gelangen ihm über 100m Schmetterling (1:00,91) und 100m Rücken (0:59,29) persönliche Bestzeiten und damit auch Deutsche
Rekorde in der Startklasse AB sowie zwei neue Vereinsrekorde. Über 50m Rücken, 50m Freistil und 100m Rücken kürte er sich zum Deutschen Meister in der offenen Klasse.
Neben den Para Schwimmern kamen sieben TVI – Schwimmer im sogenannten deutschen B – Feld 51 mal zum Zuge. Bei diesen Einsätzen erschwammen die Städtler schier unfassbar schnelle Zeiten, so dass
sie sich stets weit vorne platzieren konnten und alles in allem ganze 19 Finalteilnahmen erreichten. In der noch jungen Saison 2025/2026, die noch nicht einmal zwei Monate alt ist, zeigten die
Oberallgäuer 46 neue persönliche Bestleistungen. Außerdem purzelten vier Vereinsrekorde.
Bei den Damen schwamm Ella Seidl viermal persönliche Bestzeit und kämpfte sich auch über die anderen Distanzen schon sehr nahe an ihre Bestleistungen heran. Über 50 und 100 m Schmetterling zog
sie ins Finale ein und beendete hier je einmal mit Silber und Bronze. Über 200 m Schmetterling, wo es eine Direktentscheidung gab, sicherte sich die 15-jährige in 2:39,87 Gold. Über 400 m
Freistil und 200 m Lagen stand sie zudem als Silbermedaillengewinnerin auf dem Siegerpodest.
Die erst 11-jährige Pia Weyermann zauberte sieben grandiose Bestzeiten in das Wettkampfbecken des Langwasserbads. Für ein Finale reichte es zwar noch nicht. Allerdings holte sich Pia über 200 m
Schmetterling in 2:54,28 die Bronzemedaille und stand als zweite TVI – Starterin zusammen mit Seidl auf dem Stockerl.
Zu sieben Einzelstarts war Amelie Müller an den Start gemeldet. Diese Startzahl erhöhte Amelie nur wenige Tage nach ihrem 13. Geburtstag auf elf, da sie es viermal deutlich ins Finale schaffte.
Am Ende lautete ihre Bilanz: Gold im 50 m Brustfinale, Silber über 100 m Lagen und 200 m Brust, Bronze über 100 m Brust und 50 m Freistil. Außerdem trug sich Amelie in die Vereinsrekordsliste
ein: Über 100 m Lagen toppte sie in 1:10,97 den alten Rekord (1:11,93) von Namensvetterin Carina Müller aus dem Jahr 2005 und unterbot über 200 m Brust in 2:51,09 die Rekordzeit von 2:51,81-
ebenfalls gehalten von Carina Müller. Über 50 m Brust zeigte sie in 0:35,14 ihren dritten Rekord, den sie Tiana Gantner (0:35,70, 1993), nach 32 Jahren abnahm.
Bei den Männern schaffte es Martin Bergmann bei seinen sieben Einzelstarts über 100 m Brust und 100 m Lagen ins Finale. Ihn begleiteten stets die Platzierungen vier und sieben. Bei seinem letzten
Start über 200 m Brust und seiner insgesamt achten Bestzeit schaffte der 13-jährige den Sprung aufs Siegerpodest und holte sich in 2:54,66 die Bronzemedaille.
Der ein Jahr ältere Yehor Tomiev erkämpfte sich drei Finalteilnahmen und verdiente sich dort über 50 und 100 m Rücken sowie 100 m Lagen jeweils die Bronzemedaille. Über 200 m Rücken, die ohne
Endlauf ausgeschwommen wurden, setzte sich Yehor an die Spitze des Feldes und gewann für den TVI die Goldmedaille.
Jakob Schneider stand mit fünf Finalteilnahmen am häufigsten von den TVIlern im Endlauf und hatte damit am Ende der drei Wettkampftage 13 Starts absolviert. In den Direktentscheidungen über je
200 m Schmetterling und Brust freute sich der 16-jährige jeweils über Bestzeit und die Silbermedaille. In den Endläufen wurde er jeweils Zweiter über 50 und 100 m Rücken sowie Dritter über 100 m
Brust.
In Höchstform präsentierte sich Routinier Marcus Joas. Er zog nicht nur viermal ins Finale ein, sondern schlug dort auch dreimal (je 100 m Schmetterling, Lagen und Brust) als Schnellster an,
obwohl er sonst eher auf den längeren Distanzen zuhause ist. Auch auf den anderen Strecken war es schwer, an Joas vorbei zu kommen. Neben den drei Goldmedaillen aus den Finalläufen erkämpfte sich
Marcus, der außerdem auch noch seine Mannschaftskameraden coachte, auch die Siege im Direktentscheid über je 200 m Schmetterling, Brust und Lagen sowie 400 m Freistil. Besonders freute sich der
26-jährige dabei über seinen Vereinsrekord über 200 m Lagen in 2:18,17. Ein besonderes Highlight war außerdem die Siegerehrung über 200 m Brust, bei der mit Joas, Schneider und Bergmann
ausschließlich TVI- Schwimmer geehrt wurden. (czä/jo.)
